Vom Kaufmann zum Stifter
Geschichte der Stiftung
Die Geschichte der Hildegard und Horst Röder-Stiftung beginnt, wie bei vielen der über 1500 Hamburger Stiftungen, mit einer erfolgreichen Kaufmannsgeschichte. Horst Röder war visionär und weltoffen. Und er vereinte ein gutes Gespür für die Zeichen seiner Zeit mit brillantem Verhandlungsgeschick. Aus dem Wenigen, was ein einfacher Händler in den Nachkriegsjahren sein Eigen nennen konnte, schuf er ein florierendes, internationales Import-Export-Unternehmen: die Horst Röder & Co. KG.
Der hochmotivierte Selfmademan startete sein Geschäftsmodell einer „Kauf- und Tauschbörse“ mit Telefon und Zettelkasten aus seinem Büro in Eppendorf. Es waren überwiegend Dinge des täglichen Bedarfs, die den Haushalten in den Jahren des Wiederaufbaus Wohlstand und Modernität bescherten: Autoteile und Zubehör, Zweiradartikel sowie Camping- und Elektroartikel, wie Transistorradios. Zunächst im europäischen Raum unterwegs, folgte im Zuge der Globalisierung der Ausbau von Geschäftspartnerschaften in Asien. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hamburg.
Gemeinsam ein starkes Team.
Internationalität war für Horst Röder nicht nur der Schlüssel zu seinem geschäftlichen Erfolg, sondern erfreulicherweise auch zu seinem privaten Glück: Bei einem Spanischkurs lernte er seine spätere Frau Hildegard kennen. Die meinungsfreudige und geistreiche Berlinerin hatte nicht nur im Sturm sein Herz erobert. Als Fremdsprachenkorrespondentin und Übersetzerin war sie ihm auch beim Aufbau und der Pflege seiner Geschäftsbeziehungen eine große Stütze.
Sie leistete mit der Bearbeitung der internationalen Korrespondenz und den Übersetzungen von Bedienungsanleitungen nicht nur wertvolle fachliche Beiträge fürs Unternehmen, sondern sorgte mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft und ihrer famosen Kochkunst auch dafür, dass viele Geschäftskontakte zu guten Freundschaften wurden, die die Röders gerne auf ihren vielen gemeinsamen Reisen pflegten.
Wohlstand teilen. Für ein würdevolles Miteinander.
Hildegard und Horst Röder waren sich ihrer Verantwortung und des Potenzials ihres Vermögens sehr bewusst. Es war beiden ein Herzensanliegen, mit einem sinnstiftenden Engagement positiven gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen. Horst Röder wusste, dass neben Disziplin und Durchhaltevermögen auch Glück und Gesundheit wesentliche Faktoren auf dem Weg zum Erfolg sind. Und, dass nicht in jedem Menschenleben letztere gegeben sind. Diesen Menschen wollten die Röders eine Chance bieten. Eine Chance auf ein selbständiges und würdevolles Leben.
1992 gründeten die Röders ihre Stiftung.
Im Laufe der Zeit nahmen die Engagements immer konkretere und professionellere Formen an. Es entstanden Kooperationen mit lokalen sozialen Einrichtungen, wie dem Farmsener Tisch, dem Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt und der Kirchengemeinde Bugenhagen-Groß Flottbek. 2010 folgte ein erstes Großprojekt: Für den Hospiz Sinus e.V. – einen Pionier der Hospizbewegung in Hamburg – baute die Stiftung in Barmbek aus eigenen Mitteln ein neues Haus nach modernsten Anforderungen. Es bietet mit seinen 16 Einzelzimmern Menschen ohne Aussicht auf Heilung einen Ort, an dem sie ein lebenswertes, fürsorgliches Miteinander und individuelle Lebensqualität bis zum letzten Tag erfahren dürfen
Alte und neue Wege, Gutes zu tun.
Auch nach dem Tod von Hildegard Röder, 2011, hielt Horst Röder mit seinen zuletzt 95 Jahren die Zügel der Stiftungsarbeit fest in der Hand und spornte seine Vorstandskolleginnen und -kollegen dazu an, die Stiftungsphilosophie weiter zu tragen. Sein Lebensmotto hat er als motivierenden Leitsatz hinterlassen: „Never take no as an answer!“ Horst Röder starb 2016. Seither führt der ehrenamtlich tätige Stiftungsvorstand die Visionen des Stifterpaares weiter und engagiert sich für die bestmögliche Verwendung des Stiftungsvermögens für Menschen in Not.
Im Jahr 2020 wurde Katja Krupke vom Vorstand zur Geschäftsführerin ernannt, um die operative Arbeit der Stiftung und das damals zentrale Thema – die Einzelfallförderung für unverschuldet in Not geratene Menschen – zu verstärken, aber auch, um neue strategische Impulse zu setzen. Durch ihre intensive Vernetzung mit sozial engagierten Akteuren unserer Stadt konnten viele weitere Förderprojekte und Kooperationen ins Leben gerufen werden, wie z.B. Die Arche, Der Hafen hilft, Stiftung Kulturglück, u.v.m.. Auf diese Weise kommt unser Engagement für die gesellschaftliche Teilhabe benachteiligter Menschen einer immer größeren Gruppe zugute.

Die folgende herausfordernde Corona-Zeit machte uns allen einmal mehr deutlich, wie entscheidend unbürokratische, schnelle Hilfe sein kann. Genauso der Ausbruch des Ukraine-Krieges, als unser Team gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern bewiesen hat, wie wichtig Solidarität für unseren gesellschaftlichen Zusammenhang ist. Durch beherztes Zupacken konnten wir gemeinsam das ehemalige Wohnhaus der Röders in kürzester Zeit in ein improvisiertes Zuhause für fünf geflüchtete Familien verwandeln.
Seit 2024 verstärkt Antje Trutia als Referentin für den Arbeitsbereich Senioren und stellvertretende Geschäftsführerin unser Team. Im Einsatz für das Herzensthema der Röders entwickelt und organisiert sie Veranstaltungen und Formate für mehr gesellschaftliche Teilhabe älterer und bedürftiger Menschen. Dazu gehören der inzwischen zur Tradition gewordene jährliche „Hamburger Weihnachtszauber“ für ca. 300 Senioren sowie wechselnde, altersgerechte Aktivitäten, die älteren Menschen Freude bereiten und sich zum Knüpfen von neuen Kontakten eignen. Gesellige Ausflüge, gemeinsames Mittagessen, generationsübergreifendes Backen oder ein Kinobesuch sind nur einige der erfolgreich umgesetzten Programme
Weiter denken - sozial Bauen
Neben der Einzelfall- und Projektförderung und dem Engagement für bedürftige Senioren, bildet das soziale Bauen inzwischen die dritte Säule unserer Stiftungsarbeit.
Nach dem Sinus-Hospiz in Barmbek ist das „Haus für morgen“ auf unserem Gelände in Groß Borstel die zweite Investition in ein integratives Wohn- und Lebensprojekt für Menschen mit besonderen Bedürfnissen: in diesem Fall jüngere Menschen mit erworbenen Hirnschäden. Als Stiftung sehen wir unsere Verantwortung darin, mutig gerade solche Versorgungslücken mit tragfähigen Konzepten anzugehen.
Ähnlich verhält es sich mit unserer großen Vision vom „Röder-Dorf“. Seit vielen Jahren waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück, um darauf ein integratives Mehrgenerationen-Wohnprojekt zu realisieren. Die Idee: Räume schaffen, die ein lebenswertes Miteinander von Jung und Alt ebenso mitdenken, wie ein sorgenfreies „Wohnenbleiben“ bei aufkommendem Pflegebedarf. Im Sommer 2026 konnte endlich ein Vorvertrag über ein erstes „Röder-Quartier“ im Norden Hamburgs unterzeichnet werden.
Wir freuen uns auf die Umsetzung unserer bislang größten Vision.
30 Jahre Röder-Stiftung
Anlässlich des 100sten Geburtstags von Horst Röder blicken wir zurück auf die Geschichte und die Erfolge der Stiftung und wir verraten Ihnen unsere Visionen und Pläne für die kommenden Jahre. Viel Vergnügen beim Lesen!
Sie lesen lieber in einem gedruckten Exemplar? Senden wir Ihnen gerne zu. Einfach Mail an info@roeder-stiftung.de.


